|
Tja, an dem Punkt war ich auch mal. Ich hatte eine erste Ahnung von meinem Haus und dann suchte ich nach Leuten, die mir sagen, was denn noch alles fehlt. Eigentlich hat mir nur geholfen, viel im Internet nachzulesen. Wenn ich jetzt ein paar Punkte aufzähle, die man noch machen könnte oder bedenken könnte, dann sind das ja bei weitem nicht alle Sachen und ausserdem nur die, die mir wichtig sind. Wenn ich jedoch im Internet viel nachlese, kann ich ja sofort für mich entscheiden, ob mir das wichtig ist und ich weiterlese oder nicht und das dann in meine Planung übernehme als neuen Punkt.
Mit Ratschlägen ist das auch immer so eine Sache. Ich hatte hier und in einem anderen Forum mal geschrieben, dass man je nach Verhandlungsgeschick 5-10% rausholen kann. Jetzt musste ich mir von einem Bauwilligen anhören, dass dem gar nicht so ist und er keine 10% bekommt. Was soll ich dazu sagen. Diese Aussage entsprang mehr der seit Jahren anhaltenden "Geiz ist Geil" Mentalität und war nicht auf Bittermann & Weiss gemünzt, sondern eine allgemeine Schätzung. Es stand ja dort nicht, ich habe 10% bekommen. Im Nachhinein denke ich, so eine Aussage kann man auch nicht tätigen, da ein Haus eine höchst individuelle Angelegenheit ist.
Zum besseren Verständnis ein Beispiel: Ich stelle mir bei einem beliebigen Autohersteller im Internet oder per Katalog mein neues Auto zusammen. Da kann ich ganz genau die Ausstattung wählen. Das Auto ändert sich auch nicht, egal ob ich es in Berlin, Frankfurt oder München bei einem Händler bestelle. Es kommt immer aus dem gleichen Werk nach genau dem exakt gleichen Bauplan. Wenn ich jetzt in Berlin 5%, in Frankfurt 10% und in München 15% mit dem Verkäufer verhandelt habe, dann kann ich sagen, dass ich das Auto in München kaufen will, da es bei allen drei Händlern nachher das selbe Auto ist und ich in München am Wenigsten dafür zahlen muss.
Bei einem Haus ist das mal grundsätzlich anders. Selbst wenn man wie wir das Haus im Vorfeld mit einem Softwareprogramm erstellt und dann mit dem immer gleichen Grundriss von Baufirma zu Baufirma geht, wird niemals das selbe Haus rauskommen, da es nie aus dem gleichen Werk kommt. Anders als bei dem oben erwähnten Auto. Das macht einen Hauskauf so schwierig. Aber viel wichtiger als Rabatt ist doch, dass ich genau das Haus bekomme, was ich mir vorstelle, in einer Qualität, die mir wichtig ist, zu einem Preis, den ich bereit bin zu zahlen. Selbst wenn zwei Freunde mit der gleichen Baufirma zwei Häuser bauen mit sagen wir mal 150 qm, werden dann die Häuser gleich teuer sein? Nein. Und warum? Weil obwohl es vielleicht die besten Freunde sind, sie niemals das Haus in genau der gleichen Ausstattung bauen lassen. Was bringt da also eine Aussage über die Prozente? Wenn A für 150 qm 150.000,- gezahlt hat und B für 150 qm 200.000,- gezahlt hat, hat A jetzt 25% Rabatt bekommen oder hat jeder auf die Ausstattung bezogen den richtigen Preis bezahlt? Oder, wenn ich dann beim Hausbauer A für 150 qm mit einer bestimmten Ausstattung 200.000,- zahle und bei B 210.000,- und bei C wieder mit der gleichen Ausstattung 220.000,- Euro, habe ich dann bei A den größten Rabatt bekommen? Oder ist eventuell die Qualität des Wandaufbaus oder die verwendete Qualität des Holzes oder was anderes für den Preisunterschied verantwortlich und A verkauft das nur sehr geschickt als Prozente? Es kann ja auch sein, A ist doch günstiger. Meine Meinung: Bei einem Haus ist das noch viel schwieriger zu beantworten, als bei anderen Dingen.
Vergesst auch die Vorstellung, dass mit Vertragsunterzeichnung alles zu Ende ist, dass das dann der Preis ist, der am Ende auf der Gesamtrechnung stehen wird. Es gibt immer Sachen, die danach noch geändert werden. Wenn ich daran denke, was ich nachträglich noch alles geändert habe und damit meine ich nicht nur bei Bittermann & Weiss, sondern auch das Geld, dass ich bei anderen Handwerkern noch durch Änderungen investiere. Muss jetzt nicht bei jedem sein, bei mir ist es jedenfalls so. ;-) Und sind wir doch mal ehrlich. Wer am Anfang viele Prozente raushandelt, läuft der nicht später Gefahr, dass es an anderer Stelle wieder reingeholt wird? Egal ob im Hausbau oder anderswo? Es sind nunmal Firmen, die betriebswirtschaftlich denken und Gewinn machen wollen und auch dürfen. Ich will am Monatsende ja auch ein Gehalt für meine Arbeit bekommen. Sucht mal bei Google nach überteuerten Nachträgen/Nachzahlungen. Da werdet ihr bestimmt fündig. Was nützen da noch die schönen Prozente vom Anfang.
Ich will nicht verheimlichen, dass ich nicht auch dem "Geiz ist Geil" Wahn verfallen bin. Ich suche immer und ewig im Internet rum, bis ich irgendeine Ware bei einem Händler billiger bekomme, als bei einem Anderen. Für mein Haus musste ich lernen, das man das so nicht anwenden kann. Selbst wenn man Gewerke rausnimmt, ist dem nicht so. Beispiel Innentüren. Der eine Schreiner hat nur Marke A, der andere nur Marke B. Schon kann man es nicht mehr vergleichen. Und wenn beide Marke B haben, können Sie die Türen immer noch unterschiedlich sauber einbauen. Um es noch mal deutlich zu sagen, ich werde nicht wissen, wie viel Prozent ich im Endeffekt bekommen habe, wenn das Haus mal fertig ist. Macht mich das jetzt nachdenklich bzw. unglücklich? Nein. Ich weiss nur, Stand heute, dass ich für das Haus, so wie ich es mir vorstelle eine Summe X zahlen werde, die es mir wert ist (wenn jetzt nicht noch eine ungeplante große Summe Y dazukommt). ;-) Somit bin ich subjektiv zufrieden. Meiner Meinung nach muss man also eigentlich das Endprodukt "fertiges Haus" beim Einzug gegen die gezahlte Summe abwägen. Und dann für sich entscheiden, ja, ich bin zufrieden oder nein, für das Ding habe ich zu viel gezahlt. Das an irgendwelchen Prozenten bei Vertragsabschluss fest zu machen gibt mir jetzt persönlich nicht so viel. Aber das soll jeder für sich selber entscheiden.
Grobe Formel: Eingesetzte Summe Geld in Relation gesetzt zum fertigem Haus = 100% Zufriedenheit? Wenn ja --> sehr schön Wenn nein --> blöd
Wer wissen will, ob ich am Ende mit dem Bittermann & Weiss Haus zufrieden bin, der kann ja mein Bautagebuch Blog verfolgen. ;-)
Und um jetzt dieses endlose philosophische Geschwafel mal abzuschließen ;-) und was zum Nachdenken zu liefern, hier das Ruskin'sche Gesetz. (Man beachte, Ruskin lebte von 1819-1900 und da gab es noch keine Saturn Märkte ;-))
Ruskin’sches Gesetz Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen. Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zuwenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen. (( John Ruskin, engl. Sozialreformer, 1819-1900
Dem habe ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht: Nein, ich habe dieses Gesetz auch nicht zu 100% verinnerlicht, obwohl ich schon öfters durch meinen Sparwahn genau das erlebt habe, was Ruskin beschreibt, nämlich den gekauften Artikel irgendwann genervt entsorgt. ;-)
Sorry für den langen Post, aber das musste ich jetzt einfach mal loswerden.
Und nochmals ganz deutlich: Das ist meine ganz persönliche subjektive Meinung. Jeder ist dazu aufgerufen, seine Eigene zu haben und diese auch zu vertreten. :-)
Dutchy
|